Und wo warst Du am 9. November 1989?

Vor 25 Jahren fiel in dieser Nacht die Mauer, die seit 1961 Deutschland in Ost und West geteilt hat. Schon seit einiger Zeit gab es die Montagdemonstrationen, ein Volk lehnte sich gegen den Sozialismus auf, der im Osten ganz wichtig war. Dass genau an diesem Tag die Mauer fiel, damit hat wohl so richtig keiner gerechnet. Ich weiß natürlich auch noch wo ich an diesem Tag war.

Aufgewachsen bin ich im Westen von Deutschland, in Marl NRW. Habe aber einen Bezug zum Osten und mich hat immer alles interessiert. Ich wollte auch immer die Mauer sehen, habe es aber nie geschafft. 1974 war ich einmal in Rostock und kann mich noch ein bisschen an die Grenze und Wachtürme erinnern, an den Intershop, an das Sandmännchen, an die Ostsee und ein großes Marineschiff dass wir besichtigt haben.

mein 9. November 1989

Ich war gerade Anfang 20 und saß mit meinen Eltern vorm Fernseher, wir haben die Ereignisse schon seit einigen Tagen im Fernsehen verfolgt und waren irgendwie in den „Bann gezogen“. Emotional war es absolut überwältigend und gerne wäre ich auch in Berlin live dabei gewesen, aber es ist mal eben ca. 650 km entfernt. Selbst heute bekomme ich noch Gänsehaut wenn ich die Bilder noch einmal sehe. Und bin auch zum Teil fassungslos war damals alles im Hintergrund gelaufen ist, wie mit den Menschen umgegangen wurde, wie Familien auseinander gerissen wurde …. die Liste ist leider wohl sehr groß.

Erste Kontakte ohne Grenze

Wir haben Verwandte im Osten, in Rostock, die auch fast alle noch heute dort leben. Als dann die Grenze offen war kamen Fragen der Familien und Freunde: „Na, euer DDR-Besuch schon da?“ War natürlich etwas ironisch gemeint, aber der Besuch hat wirklich nicht lange auf sich warten lassen.
Am Samstagmorgen, den 11.11. klingelte ganz früh morgens das Telefon und es war jemand von der Autobahnpolizei Hannover dran: „Herr …… Ich habe ihren Bruder hier, er hatte einen Autounfall“. Mein Vater noch im Halbschlaf: „Mein Bruder ist nicht in Hannover, der wohnt hier in Marl, kann nicht sein“ Er hat direkt an seinen Halbbruder gedacht und den sieht er regelmäßig.
Dann hat sich herausgestellt, dass es sein Bruder Günther aus Rostock war, die mal eben mit ihrem Wartburg zu uns unterwegs waren.
Der erste Besuch kam also nach 2 Tagen.
Sogar in der Zeitung war mein Vater samt Bruder und Schwägerin damals, als sie ihr Begrüßungsgeld von 100,00 DM abgeholt haben. Mit dabei noch eine fremde Familie, denn zufällig waren alle vor unserem Rathaus als sie von einem Journalisten befragt worden sind.

Den Zeitungsartikel haben wir noch, eine Kopie klebt in dem Fotoalbum, welches ich meinem Vater zum 60. Geburtstag gemacht habe:

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Nach 1 Woche am Freitag sind sie dann wieder zurück gefahren, puh wieder alleine im Haus und Stress weg, denn sie wollten ja viel sehen und erzählen.
Einen Tag später ging dann wieder das Telefon: „Walter, wir sind auf dem Weg zu euch und bald da, bis später“. 2 Stunden später waren dann der andere Bruder, Dieter mit seinem Schwiegersohn Frank hier.
Wir haben nur gedacht das kann doch nicht wahr sein ….. Aber wir mussten da durch und nach ein paar Tagen war auch dieser Besuch dann wieder weg.

Nach einigen Wochen, ich saß mit meiner Mutter in der Küche und schaute aus dem Fenster dachte ich, ich sehe nicht richtig: „Mama, da kommt ein hellblauer Trabbi“ …. meine Cousine Sabrina nebst Mann Frank. Sie sind nur 3 Tage geblieben und wollten sich dann noch etwas umsehen.
Nach und nach kamen dann noch meine beiden Cousins nebst Frau und dann ebbte es ab.

Gegenbesuch – kleine Rache für die „Belagerung“ :)

Ich war im Mai 1990 dann mit meinem Vater und meinem Onkel über den Feiertag 3 Tage in Rostock. Zu der Zeit war alles im Umbruch, vieles stand leer, aber es gab auch noch genügend von „Vor der Wende“ zu sehen. U.a. war ich im Stasi Hauptgebäude. Ich habe mich gefragt ob ich da auch erwähnt bin, denn ich habe mit meinem Cousin, meiner Cousine und 2 Brieffreunden dort geschrieben. Aber dann hätte ja meine Familie bzw. die meiner Brieffreundinnen bespitzelt werden müssen, aber nur wegen der sogenannten „Westkontakte“ von Kindern denke ich nicht dass da Akten existiert haben.

Der Grund für „Ostverwandtschaft“

Verwandte habe ich dort, weil mein Vater in Rostock geboren ist. 1947 ist er mit meiner Oma und seiner Tante mit Hilfe eines Fluchthelfers in einer abenteuerlichen Bahnfahrt nach Marl geflüchtet. Mein Oma hat damals meinen Opa (eigentlich mein Stiefopa, aber für mich war er mein „richtiger Opa“, den anderen habe ich nur 1x gesehen, als wir 1974 im Osten waren) in Rostock kennen gelernt, er war bei den Heinkel Flugzeugwerken und sie ist ihm später nach Marl gefolgt. Mit ihrem damaligen Mann ist sie überein gekommen, das 2 Kinder bei ihm bleiben und sie meinen Vater mitnimmt. So habe ich auch immer 3 Omas und Opas gehabt.
Ich kann mich auch noch erinnern, dass meine Oma aus Rostock damals Maße von meiner Puppe genommen hat und mir später einen großen Karton voller selbstgenähter Kleidung für sie geschickt hat.

Das waren ein paar meiner Erinnerungen zum Thema Mauer und damalige Grenze.

Ich bin über einen Blogbeitrag von Janett alias Blo-g.info auf diese Bloggeraktion aufmerksam geworden, zu dem von Blogparade von Inka alias Blickgewinkelt.de aufgerufen wurde.