30 Jahre Mauerfall

Auf den Tag vor 30 Jahren fiel die Mauer, die Deutschland in West und Ost genau 28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage geteilt hat.
Den Mauerbau 1961 habe ich natürlich noch nicht miterlebt, aber den Mauerfall dafür umso bewusster und auch die Geschichten, Hintergründe und vieles mehr

In diesem Jahr 1989 hat sich das Volk im Osten gegen den Sozialismus aufgelehnt, zuerst nur wenige, dann wurden es immer mehr Bürger. Die ersten flüchteten beispielsweise über Ungarn, auch einer meiner Cousins mit seiner Frau und Sohn.
Wer erinnert sich nicht an die Bilder im September 1989 von der überfüllte Prager Botschaft, auf deren Grundstück an die 4000 Menschen campieren, bis dann am 30.9. die erlösenden Worte von Außenminister Hans-Dietrich Genscher kamen: „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, …….. (unterbrochen von Jubelschreien) dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist.“

Ich habe die Ereignisse damals natürlich mit verfolgt und saß regelmäßig mit meinen Eltern vor dem Fernseher. An die Emotionen die wir hatten, erinnere ich mich noch ganz genau, Gänsehaut pur und trotzdem das Gefühl, bald kommt bestimmt die Verwandtschaft.
Und irgendwie auch fassungslos, was im Nachhinein alles an den Tag gekommen ist, wie mit den Menschen umgegangen wurde. Das einfach Familien getrennt wurden und das so eine Macht ausgeübt werden konnte.

Schon als kleines Kind habe ich West und Ost wahrgenommen. Denn mein Papa ist in Rostock geboren, flüchtete aber 1947 als Kind mit meiner Oma und seiner Tante nach Marl, wo er am 6. Dezember angekommen ist.
Meine Tante ist heute 96 und hat mir viel von früher erzählt, auch wie sie damals mit einem Fluchthelfer geflüchtet sind und wie abenteuerlich die Flucht u.a. mit dem Zug gewesen ist.

Meine Oma hat meinen Opa (offiziell er war leider nicht mein richtiger Opa, aber für mich war er immer mein Opa und für meinen Papa ein toller Vater) in einer Kneipe ist Rostock kennen gelernt, er hat damals bei den Heinkel-Flugzeugwerken gearbeitet. So haben sie irgendwann beschlossen, dass meine Oma flüchtet und meinen Papa mitnimmt. Sein ältester Bruder sollte nachkommen, dazu kam es aber nicht, der jüngere Bruder wollte beim Vater bleiben.
So haben auch die Brüder in Rostock Familien gegründet und deshalb habe ich Ostverwandtschaft.

Mit 7 Jahren war ich in Rostock und habe noch einige Erinnerungen: an die Grenze und die Wachtürme, die Wachposten mit Waffen, das Durchsuchen unseres Autos und das ewig lange Warten an der Grenze und natürlich die Angst, das sie meinen Papa da behalten, weil ja im Reisepass steht geboren in Rostock. Ich erinnere mich auch noch an den Intershop, an das Sandmännchen, die Ostsee und an ein großes Marineschiff dass wir besichtigt haben.

Ende Mai 1990 war ich mit meinem Papa und Onkel dann das erste Mal nach über 20 Jahren für 3 Tage wieder in Rostock und u.a. im Stasi-Hauptgebäude, ich weiß noch wie voll das da war, alle wollten ihre Akten einsehen. Zu der Zeit war noch alles im Umbruch, es gab viel Gebäude und Geschäfte die leer standen und umgebaut wurden, es gab aber auch noch genügend von „Vor der Wende“ zu sehen.

Es gibt auch noch einen großen Teil an Dias und ich habe später dann auch noch mal viele Fotos gemacht und auch dadurch einiges wiedererkannt.

Wir haben unseren ersten „DDR-Besuch“ am Samstagmorgen, den 11.11.89 bekommen. Der ältere Bruder von meinem Vater samt Frau hat uns für 1 Woche „belagert“. Als sie dann Freitag gefahren sind, dachten wir, puh wieder alleine im Haus, ohne Stress.
Haaa, von wegen, denn einen Tag später stand der jüngste Bruder mit seinem Schwiegersohn vor der Tür, sie sind allerdings nur 3 Tage geblieben, puh. ;)
Später kam dann noch meine Cousine mit ihrem Mann für 3 Tage, noch meine beiden Cousins nebst Familien und dann war die „Belagerung“ erst mal vorbei.

Das die Verwandtschaft kommt, war uns klar, aber so schnell?

Inzwischen ist der Kontakt nicht mehr so da, das hat mehrere private Gründe. Zugegeben bin ich auch nicht traurig drum, es ist eben einiges vorgefallen, außer bei meiner Cousine und einem meiner Cousins und seiner Frau. Die würden wir eigentlich alle mal gerne wieder sehen.

Also Sabrina, Rainer und Tina, falls ihr das hier zufällig lesen solltet, meldet euch doch einfach mal. ;)