Auf den Spuren des Bergbaus in Marl

Wir haben uns auf Spuren in Marl begeben, genauer gesagt „ auf den Spuren des Bergbaus“ im Rahmen einer 2 Stündigen Stadtrundfahrt am 7. März. Die Zechen in Marl heissen/hiessen Auguste Victoria und waren dann mit einer zusätzlichen Nummer gekennzeichnet. Noch bis zum 31. Dezember 2015 ist AV 3/7 in Betrieb, dann wird auch hier die letzte Schicht gefahren. Schon jetzt wird einiges zurückgebaut uns ab nächstes Jahr wird hier zugeschüttet. In diesem Jahr sind auch noch einige Veranstaltungen rund um den Bergbau in Marl, denn das ist unsere letzte Zeche. Finde ich persönlich eine schöne Idee und ich werde sicher bei manchen Veranstaltungen dabei sein.

Ich finde die Geschichte des Bergbaus sehr interessant, mein Vater war jetzt nicht „Unter Tage“, er hat als Installateur gearbeitet bis zu seiner Rente, aber mein Onkel als Steiger und später auch mein Cousin. Ich habe als Kind schon immer gerne zugehört und meinen Onkel alles Mögliche gefragt. Und bei meiner Oma konnte ich stundenlang am Fenster sitzen und den drehenden Rädern des Förderturms zusehen.

Heimatmuseum Erzschacht AV 4/5

Heute ist auf dem ehemaligen Zechengelände das Museum am Erzschacht zu finden und genau dahin führte uns unsere Tour als erstes. Vom Treffpunkt am Infocenter Chemiepark ging es mit einem bequemen Reisebus von Rosie Reisen los.
Das Museum am Erzschacht ist heute von Häusern umgeben und hat nur noch ein kleines Gelände, Der denkmalgeschützte Förderturm steht noch und das Maschinenhaus. Auf dem Außengelände stehen Grubenloks, Loren, Teufekübel, Abbauschilde und anderer Geräte. Hier kann man gut sehen wie eng auch gerade die Loks sind, mit denen die Bergleute oft noch viele Kilometer fahren mussten und geruckelt haben die :) Denn ganz selten war der Arbeitsplatz da, wo man mit den Förderkorb ankam bzw. in der Nähe.
Der Erzschacht war früher Schacht 4/5. 1928 wurde hier mit dem Abteufen (Herstellung von senkrechten Hohlräumen wie im Bergbau) bis 850 m Endteufe begonnen. 1931 wurde dann der Förderturm errichtet und ab 1936 wurde hier Erz gefördert, sowie Zink und Silber. Bis 1962 wurde hier gefördert und 1965 wurde der Schacht stillgelegt.1995 wurde Schacht 4 in die Denkmalliste der Stadt Marl eingetragen.
In der Maschinenhalle gibt es viel zu entdecken. Arbeitskleidung in den Körben, die in der Kaue an die Decke gezogen werden, diese hat das Heimatmuseum von AV 3/7 bekommen. Figuren mit Bergmannskleidung, Schichtbücher, Grubenlampen und die passende Aufladestation, Abbaugeräte und Maschinen sowie Gesteins- und Erzbrocken. Im Obergeschoß befindet sich eine Fördermaschine, diese ist mit dem Förderturm über ein 25 Meter langes und fast 2 Tonnen Stahlseil verbunden.

Wir haben eine Führung bekommen und diese war absolut interessant, wir haben viel erfahren wie es früher war und auch über die Arbeitsbedingungen.
Wir waren 2010 im Rahmen der Schachtzeichen schon einmal da, aber ohne Führung.

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Der Heimatverein sucht für sein Museum alles Mögliche zum Thema Bergbau, wer noch etwas zu Hause hat kann es gerne dem Museum zur Verfügung stellen. Über Unterstützung und kleine Spenden freut sich das Museum ebenfalls.

Erzschacht Heimatmuseum
Am Wetterschacht, 45770 Marl
Telefon: 02365 / 3 70 75 und 0175 / 2 05 54 09 (Horst Schmitz)
Besichtigung nach vorheriger Terminvereinbarung
Die Maschinenhalle kann auch für Events genutzt bzw. gemietet werden.

Schacht AV 1/2

Nach dieser tollen Führung ging es dann weiter zu Schacht ½. Das Gelände ist in Hüls, hier stehen noch 2 Fördertürme und in der ehemaligen Lagerhalle finden heute Events, Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Ein weiteres Gebäude ist auch noch erhalten, naja mehr oder weniger.
Auf dem Gelände bzw. in den alten Gebäuden sind heute u.a. ein TherapieCenter und die Knappschaft untergebracht, sowie ein Fahrradgeschäft.
Hier wurde 1900 mit dem Abteufen begonnen, dann aber erst einmal wegen harter Mergelschichten und Wasserzuflüssen bei 40 m Teufe eingestellt. 2 Jahre später wurden dann die Arbeiten mit dem Gefrierverfahren wieder aufgenommen, aber der Schacht 1 wurde erst einmal aufgegeben. Deshalb ist die Nummerierung der Schächte umgekehrt: Schacht 2 wurde zu Schacht 1. 1903 wurde dann wieder der erste Schacht, jetzt also Schacht 2, weitergeteuft. Schacht 1 lag 1904 bei ca. 580 m Teufe Schacht 2 ein Jahr später bei ca. 591 m Teufe. 1905 und 1906 wurden dann beide Schächte in Betrieb genommen. 1966 wurden die Schächte stillgelegt und 2007 verfüllt.

Schacht1.2 Schacht1.2.2 Schacht1.2.1

Schacht AV 3/7

Und weiter ging die Fahrt, vorbei an Schacht 3 der 1937 in Betrieb genommen wurde. Hier sind wir aber nicht näher rangefahren, da man nur den großen Turm der RAG (Ruhrkohle AG) sehen kann.

Und zum Schluß sind wir zum Schacht 3/7 gefahren. In unmittelbarer Nähe ist hier der Chemiepark entstanden.
Lange, eigene Bahnstrecken verbinden beides und auch mit dem Kanal sind sie verbunden.
Bevor Schacht 3 1927 in Betrieb genommen werden sollte brachen Schwimmsande ein und es wurden 5 Bergleute verschüttet. Deshalb wurden die Arbeiten erst einmal eingestellt bis 1937.
Schacht 7 wurde dann ab 1957 in der unmittelbaren Nähe von Schacht 3 geteuft und ging 1960 in Betrieb.
1950 wurde Schacht 6 geteuft, dieser befindet sich am Rand der Haard, ca. 2 km östlich von Schacht 3.
1963 wurde Schacht 8 im Feld Lippramsdorf, ca. 3 km nördlich von Schacht 3/7 geteuft.

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Wir haben noch ganz viele mehr zur Geschichte des Bergbaus in Marl erfahren, wie die ersten Gastarbeiter hierhergekommen sind, wie gearbeitet wurde ….. Es war so interessant und teilweise war ich fassungslos, über die Bedingungen.

Ich kann diese Tour absolut empfehlen, es lohnt sich.
Es wird noch öfter die Gelegenheit geben diese Bergbautour mit zu machen und auch andere Touren werden angeboten. Infos gibt es im I-Punkt im Marler Stern.